Mittwoch, 1. Februar 2017

PANAMA - Boquete

Hallihallo und liebe Gruesse aus dem schoenen Boquete.
Ich bin im Moment in einem unglaublich tollen Hostel - la jungla experience - , wahrscheinlich das beste Preis-Leitungsverhaeltnis, was man sich vorstellen kann, runned by einem super netten amerikanischen Paerchen. Um euch das etwas zu verdeutlichen; ich kam am Montag an, und abends fand erstmal movie night statt, inkl. kostenlosen selbst gemachten Brownies von Mamie, der Besitzerin (beste Brownies der Welt!). Am naechsten Morgen gabs dann kostenlos Fruehstueck; Pancakes natuerlich. Schein hier son Ding zu sein.



Und den Laptop, von dem ich jetzt schreibe, durfe ich mir von Greg, dem  Mann von Mamie leihen.
Genauso viel Glueck habe ich mit meinen Mitreisenden hier. Am selben Tag wie ich ist ein Paerchen aus Wuerzburg angekommen, Laura und Sven, Medizinstudenten im letzten Jahr, die hier grade Urlaub machen. Wenn alle Medizinstudenten so nett sind wie die, dann stehen mir die besten Jahre meines Lebens noch bevor.
Ausserdem sind hier noch Sarah, eine Sozialpaedagogin aus Deutschland, die aber nicht mehr zurueck will, und ein hollaendisches Paerchen, Marianne und Irrn, sehr lustig, sehr lebensfroh, die 6 Monate reisen.
Gestern haben Sarah, Laura und ich eine kleine Wanderung gemacht, "Pipeline-Wanderung" an deren Ende uns ein Wasserfall erwartete, der kaum Wasser fuehrte.






 

Eigentlich hatten Sven, Laura und ich geplant dann nachts auf den Vulkan zu steigen (9-12 Stunden dauert das), aber wir begannen schon zu zweifeln, als wir das Wetter gesehen hatten; super windig und regnerisch und nachdem die Hollaender dann zurueck gekommen waren, hat uns das den Rest gegeben. Sie erzaehlte unter anderem sie haette zum Schluss geweint, weil sie nicht mehr konnte, und ich sags euch, was diese Frau zum Weinen bringt will ich nicht erleben.
Also hier geblieben und lecker gegessen; ich habe Laura und Sven gezeigt wie man hier Yuca zubereitet. Ihr kennts schon, kochen und dann ab ins Oel bis es durchfrittiert ist (by the way, frittierte Ananas kann man sich auf jeden Fall auch mal geben).


Heute sind wir dann zu sechst eine andere Wanderung machen gewesen, zu drei Wasserfaellen. Die Hinfahrt ueber waren wir noch total motiviert, aber als wir dann aus dem Bus gestiegen sind wollte jeder von uns umkehren, auch wenn das niemand so richtig zugeben wollte. Es war super windig,  kalt und es regnete. Und wer war die einzige mit Shorts und ohne Regenjacke? Na?


Zum Glueck hatte Irrn ne Badehose dabei, sodass die Panamanariner einige Momente spaeter die Koepfe ueber ein halbnacktes blasses Maedel schuetteln durften, was in tuerkiser Maenner-Badehose durch den matschigen Urwald stampfte. Und ich muss sagen, so ne duenne Schicht Polyester kann schon echt nen Unterschied machen...


Und die Panimier haben wahrscheinlich auch so schon aufgehoert, sich ueber die verrueckten Touris Gedanken zu machen, die enthusiastisch bei absolutem Dreckswetter Spass daran zu haben scheinen, sich durch den Dreck zu schleppen.








Und beim Laufen wurde einem auch echt warm, aber an den Wasserfaellen war es dann immer wieder frischer. Liegt einfach daran, dass diese Masse an Molekuelen, die da sekuendlich runter krach, einen ziemlichen Wind aufwirbelt. Neben der Tatsache, dass da auch sehr viel Wasser rumfliegt, aber das tat es ja so auch (Stichwort REGENwald) und nass waren wir ja eh schon.
Also schnell zu Ende wandern, schnell auf den Bus warten und schnell zurueck ins Hostel, warm duschen und essen.
Und jetzt eben noch schnell was schreiben, hopefully the internet works.
Morgen fahren wir dann alle weiter (Zufall), die Hollaender nach Panama City, die Deutschen nach Bocas und Sarah und ich haben zufaellig das selbe Ziel; Costa Rica, Bahia Drake, wo ich erstmal 2 Naechte gebucht habe. Costa Rica sollte eigentlich Costa cara heissen, es ist schon sehr teuer.
Also fingers crossed, ihr hoert hoffentlich bald wieder von mir!
❤ Charlie

Sonntag, 29. Januar 2017

Mein zweiter Aufbruch oder Urlaub vom Urlaub machen

Ich sitze wie immer unter dem Wellblechdach in der brütenden Hitze. Meine Schwester hat mir gestern erzählt, sie hätte bei nem Sportkurs ihr gesamtes T-Shirt durchgeschwitzt. Ich habe etwas gebraucht um den, für sie plausiblen, Zusammenhang zwischen Anstrengung und Schwitzen zu verstehen...
Der heutige Tag ist fast vorbei, morgen gehts los. Ich habe heute zwei Sachen festgestellt: 1) ich werde Las Lajas und die Menschen hier etwas vermissen und 2) ich bin den letzten Monat völlig ohne Grund mit behaarten Männer-Beinen rumgelaufen, mein Epilierer funktioniert nämlich anscheinend doch, der muss nur an genau dem einen Tag vor 5 Wochen, an dem ich ihn benutzen wollte, Probleme mit dem Laden gehabt haben und ich hatte es danach nie wieder ausprobiert, weil ich dachte es liegt an den Spannungsunterschieden oder so. Das wird heute ein sehr sehr schmerzhafter Abend...
Bitte lieber Gott, lass das mein einziges Problem der nächsten Wochen sein.
Ich freue mich aufs fahren, ich bin aufgeregt, ber ich freue mich. Das ist in den letzten Tagen, seit meinem vorletzten Post, immer mehr geworden. Ich freue mich darauf, endlich wieder autonom zu sein, ich freue mich darauf, mein eigenes Essen kochen zu können und ich freue mich darauf endlich wieder  richtig frei zu sein, das Gefühl zu haben, ich könnte die ganze Welt bereisen wenn ich wollte.
Manchmal mischen sich auch Sorgen dazu, was ist, wenn ich niemand Nettes kennen lerne, wenn ich alleine im Hostel bin, wenn ich mir nach einer Woche denke, mist, wär ich doch in Las Lajas geblieben, Reisen ist anstrengend und langweilig...lauter so dummes Zeug eben. Denn natürlich ist Reisen nicht anstrengend, natürlich werde ich höchtswahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt meiner Reise alleine in einem Hostel sein und ja, wahrscheinlich wird es auch mal einsamere oder doofere Momente geben, aber das unendlich tolle ist ja, dass ich jederzeit weiter ziehen kann wenn mir etwas nicht passt und dieses Wissen ist ungemein befriedigend. Ich bin ungebunden, ich kann machen was ich will. Und alles andere und alle anderen sind egal. Wann im Leben befindet man sich denn mal bitte in einer so dekadenten, geilen, super egoistischen Situation?!
Ich habe schon Angst wieder nach Hause zu kommen und nur noch aufm Egotrip zu sein und dann finden mich alle blöd...STOP...und schon wieder beim zu viel Denken erwischt. Mensch mensch mensch, das wird ein Stück Arbeit fürchte ich.
Heute habe ich den Tag jedenfalls noch damit verbracht, Zeug fertig zu machen; meinen Stick aufzuräumen, alle Fotos in ne Clous zu laden um mehr Platz auf meinem Stick zu haben, Adressen raus zu suchen, etwas noch fürn TMS, ein paar Lieder noch für die Ukulele (gestern hatten wir fast 6h Stromausfall und ich habe gemerkt, dass ich zu wenig Songs habe), so Zeug eben...
Und dann dachte ich schreibe ich eben nochmal diesesn kleinen letzten Post von hier, wobei ich nichtmal weiß, ob es wirklich der allerletzte Post aus Las Lajas bleiben wird, ich wurde nämlich von meiner tollen Familie hier zum Karneval eingeladen, vom 24. bis zum 28. Februar. Das ist in Panama (und Lateinamerika generell glaube ich) ein ziemlich großes Ding. Wer weiß, mal schauen...
Morgen gehts dann jedenfalls los nach Boquete und ich erinnere nochmal daran, ich bin ohne Handy unterwegs, wenn ihr mit mir kommunizieren wollt, worüber ich mich immer sehr freue, dann ab jetzt nicht mehr per Skype oder so, sondern nur noch per Mail, ich versuche regelmäßig zu antworten, entweder von anderen geliehenen Handys aus, oder ausm Hostel oder nem Internetcafé. Ooooder ich klau mir selbst ein neues Handy, das wär natürlich auch noch ne Option ;)
Und danke nochmal an die Glückwünsche und die vielen Schutzengel, die auf mich aufpassen, und Menschen, die an mich denken, macht euch nicht zu viel Sorgen, aber auch nicht zu wenig. Wenn ich mich länger als 1,5 - 2 Wochen nicht melde, dürft ihr anfangen zu suchen (nachdem ihr Papa gefragt habt und er auch nichts gehört hat).


So und jetzt sage ich mal hasta luego und bis bald!
❤ Charlie

+++UPDATE+++ Mein Epilierer geht doch immernoch nicht, aber ich weiß nicht wieso.

Freitag, 27. Januar 2017

Heute morgen habe ich mich mal wieder zum Joggen aufquälen können. Hab generell eigtl Spaß daran gefunden morgens zu laufen, aber nur dann, wenn ich selbst aufwache, nicht wenn mich mein blöder Wecker extra dafür weckt. Naja, dafür konnte ich mir danach mit gutem Gewissen den Bauch mit Chelys leckeren Mais Tortillas voll schlagen, die zwar schmecken, aber wie alles hier frittiert werden. Dazu gabs, ganz im Panama-Style, Wurst, ebenfalls vor Fett triefend. Und eigentlich ist das auch keine Wurst, sondern eine salzige rosa eingefärbte Masse mit Geschmacksverstärkern. Im Ernst, die schmeckt nichtmal nach Wurst.
Im Anschluss gings jedenfalls nach lotuyo, wo ich die folgenden zwei Stunden auf dem Boden hockend damit verbracht habe, unreife, grüne Bananen zu schälen. Eine riesige Sauerei ist das, man muss das im Wasser machen, weil die Bananen beim Anschneiden einen Saft frei setzten, der nicht nur unglaublich klebrig ist, sondern auch alles dunkel färbt. Alles. Meine Nägel sahen danach aus als hätte ich Nagelpilz. Und das Schälen kann man auch nicht mit reifen Bananen vergleichen, da die Schale viel viel fester an der Frucht klebt. Aber wenn man sich die Arbeit macht, die Bananen dann trocknet und malt, erhält man Bananen Mehl und das soll sehr lecker sein. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen das mal zu kaufen.
Silke und ich haben dann noch etwas Ananas Kokos Marmelade gemacht, und um 11:30 war ich schon wieder zu Hause. Wir haben heute nicht so lange gemacht, weil wir am Samstag noch arbeiten wollen.
Aber mir hat das gepasst, so konnte ich nochmal mit Max skypen, Tschick zu Ende lesen (ein tolles Buch und der Film, der auch super sein soll, läuft grade in Deutschland in den Kinos. Vielleicht was für dunkle Wintertage?) und Lieder für die Ukulele rausgesucht und abgeschrieben. Ich habe die Ukulele (die ich Luc übrigens für 13,5$ abgekauft habe) angemalt, lackiert (mit Nagellack, die anderen transparenten Holzlacke waren zu teuer und man muss sich zu helfen wissen. Zugegeben, die Lackschicht ist nicht die schönste, aber sie schützt die Farbe, und das ist was zählt.) und jetzt möchte ich noch ein mehr Lieder lernen. Ein paar kann ich schon. Und als Beschäftigung und um mit Leuten in Kontakt zu kommen ist das super, grade beim Reisen.




Das Band habe ich gebastelt, dass ich mir die Ukulele beim Laufen besser umhängen kann. 
A propos, wo gehts denn eigentlich jetzt hin? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau. Am Montag werde ich nach Boquete fahren, das ist die Hauptstadt Chiriquis, ca. 100 km von hier entfernt. Da gibts nen Vulkan, der gleichzeitig der höchste Berg Panamas ist, den man besteigen kann. Is halt nur ziemlich kalt (oben bis zu 3 Grad). Und sonst weiß ich noch nicht. Vielleicht lerne ich dort nette Menschen kennen die mich zu einem neuen Ziel inspirieren, viellicht gehts weiter nach Costa Rica... ich habe mir nichts bestimmters vorgenommen, nur so viel; ich mache nur worauf ich Bock habe. Ganz egoistisch, denn das ist der Vorteil beim alleine reisen, du kannst machen was auch immer du willst. Wenn ich Action will mach ich Action. Wenn ich Kultur will mach ich Kultur. Und wenn ich einen Tag nur faul rumliegen will dann liege ich einen Tag nur faul rum.
Ich reise ohne Handy, habe also auch kein Internet, was bedeutet, dass ich auch keine Hostels reservieren kann (und leider auch nicht regelmäßig bloggen kann), aber ich bin nicht ganz mittellos, für Costa Rica habe ich mir einen Reiseführer von 2009 besorgt, also quasi neu, in dem auch viele Unterkünfte verzeichnet sind. Ganz unerreichbar bin ich allerdings nicht, in Bocas habe ich mir Handys von anderen ausleihen können, und das wird auch weiterhin der Fall sein denke ich, aber Montag dann halt wieder nur Mail (was ich eh schon mit den meisten mache) und etwas mehr Geduld.
Also ist eigentlich alles wirklich super, bis auf eine Sache, ich habe Rückenschmerzen. Das alte Thema wieder. Und es nervt echt, weil ich nicht grade sitzen oder stehen kann (und reiten auch nicht, jede Rücken streckende Tätigkeit eben) ohne Schmerzen zu haben - und das, obwohl ich mittlerweile eigentlich einen geraden Rücken habe, das Korsett abtrainiert ist, ich täglich Übungen für den Rücken mache und letzten Samstag sogar für ein Schweinegeld (20$ ist viel für mich hier) bei einer Physiotherapeutin war, die mich wieder gerade gemacht hat. Aber es ist immer der selbe Mist, nach spätestens 2 Tagen ist alles wie zuvor, der selbe Schmerz, unterm rechten Schulterblatt wie immer (immerhin, ganz früher waren es glaube ich beide). In Deutschland hatte ich schon lange nicht mehr so starke Schmerzen, ich nehme an, das liegt daran, dass ich dort meinen Rücken regelmäßig intensiv im Fitnessstudio trainiere. Hier habe ich das halt nicht. Aber ich werde mal versuchen, ob sich da mit mehr Dehnen was machen lässt, das habe ich die total vernachlässigt.
(Kleiner Exkurs: Sport kann man in die Kategorien Cardiotraining (z.B. joggen), Muskeltraining (z.B. Gewichte heben) und Dehnen (z.B. beim Yoga) einteilen. Jeder Teil erfüllt dabei eine andere Funktion, aber alle sind gleich wichtig! Die meisten Menschen betreiben allerdings vor allem Cardio- und Muskeltrainig, die dritte Komponente, das Dehnen, bleibt häufig auf der Strecke, 'ist ja weniger anstrengend, also Zeitverschwendung, dann lieber nochmal 10 min laufen, das sind 100 kcal mehr'. Aber dehnen ist deswegen so wichtig, weil sich sonst die Muskeln verkürzen können, was zu Haltungsfehlern und letztlich zu Haltungsschäden führt. Also Leute, nicht das Dehnen vergessen! Und auch nicht nur 2 sek, sondern mindestens 20 Sekunden, sonst bringt es nichts. Und sich in die Dehnung 'reinwippen' bringt auch nichts, Zähne zusammen beißen und gut ist. Viele schöne Tipps für euch, jetzt muss ich mich nur noch selber daran erinnern ;) ).
Und weil wir schon 20 vor 11 haben, ich müde bin und noch die Fotos hochladen muss, ist dieser Post jetzt zu Ende. Buenas noches!
<3 Charlie


Hier übrigens nochmal 2 Bilder von vorgestern:


Mittwoch, 25. Januar 2017

Ich bin ein fliegender Goldfisch

Ich lebe noch!
Seit dem letzten Post ist ja einiges an Zeit vergangen, und ihr habt euch vielleicht gefragt, wieso. Aber ich habe in den letzten zwei Wochen einfach etwas Zeit für mich gebraucht, zum Nachdenken und so. Und jetzt bin ich fertig damit und kann auch wieder schreiben.
Genau genommen drehte sich die ganze Nachdenkerei um die Frage, ob ich hier in lotuyo das Volontariat wie geplant bis Ende Februar zu Ende führe, oder aber schon jetzt, Ende Januar fahre. Wieso das ganze? Naja, wenn ihr meinen Blog regelmäßig verfolgt habt, werdet ihr ja schon gemerkt haben, dass das alles hier nicht so "sie jelau fromm sie äg" war, wie der Berliner so schön sagt und ich mich ja gedanklich immer wieder daran geklammert habe, dass es besser wird, wenn Silke wieder da ist. Und mit verbessern werden meine ich konkret die Tatsache, dass ich hier ja die ersten 4 Wochen quasi nur rumgesessen habe, mit Ausnahme meiner Zeit in Bocas. In dem Zeitraum hatte sich einfach auch schon etwas Frust aufgestaut; stellt euch vor, ihr kommt hierher, super motiviert, habt Bock auf ein cooles Projekt, aufs Arbeiten - und klatscht dann erstmal voll gegen die Wand. Nichts mit arbeiten, nichts mit Projekten planen, einfach nur in der Hitze rumsitzen und warten, dass was passiert. Und aus Langerweile endet man fast immer vorm Bildschirm, einfach weil die 10. Muschelkette eben auch nur die 10. Muschelkette ist und immerzu Spanisch lernen eben auch keinen Spaß macht. Versteht ihr so ein bisschen was ich meine? Dazu der fehlende Kontakt zu Menschen. Klar, ich lebe in einer Familie, klar, ich war auch mal mit Freunden weg und das war toll, aber insgesamt habe ich mich doch häufig einfach einsam gefühlt.
Und als Silke dann endlich da war habe ich mich, hungrig nach Kontakt, erstmal da reingeworfen - und kam mir zunächst fast noch einsamer vor. Arbeiten von 08:00 bis 12:00, wissend das die danach als Familie noch schöne Sachen zusammen machen und ich nur wieder zu Hause ende. So hatte ich mir meine Zeit hier nicht vorgestellt. Also Skype-Gespräche mit meiner Zentrale zu Hause und so kristallisierte sich immer mehr die Idee raus, einfach zu fahren; eine Option, die ich anfangs eher abgewiesen habe. Fahren? Ich doch nicht. Ich bin doch Charlie, zuverlässig, gewissenhaft, ich habe hier zugesagt, dann haue ich doch nicht ab. Wie sollen die ihr Projekt denn ohne mich weiter führen?!
Naja, aber ist der Samen erstmal gesetzt dann wächst und wächst er und in diesem Fall brauchte er nur 24h. Dachte ich...
Ja ok ich fahre, gute Idee eigentlich. Aber ich ziehe noch den Monat durch, das wäre nur fair und vielleicht wird es ja doch noch besser? 1 Tag später, Whatsapp schreibend mit Leuten, Charlotte, 4 Wochen sind ja auch nicht lang, und am Anfang ist es immer schwierig. Mhhm, stimmt auch, also doch bleiben? 2 Tage später, mit geschlossenen Augen in der Brandung am Strand liegend, ja, ich fahre, das ist das was ich will, frei sein, und mit geschlossenen Augen am Strand liegen, immer wenn ich Bock drauf habe. Ich fahre! Am darauf folgenden Abend, Kuhhandel spielend mit Silkes Familie und ihren Freunden, naja, eigentlich ist das ja so ganz schön. Aber wollte ich nicht eigtl fahren? Will ich fahren? Wenn ich fahre, kann es auch passieren, dass ich einsam ende. In Bocas war es auch nicht sooo dolle, so viel Koks, so viele Party-Touris, hier muss ich mich um nichts kümmern, gehe arbeiten, esse, schlafe. Eigentlich kann ich mich ja nicht beklagen oder? Mensch Charlotte, biste jetzt zum Essen und schlafen nach Panama gekommen? Und überhaupt, so viel wie du hier in deiner Freizeit vorm Laptop hängst hättste auch gleich zu hause bleiben können. Reisen macht Spaß! Reisen ist teuer! Hier bin ich nicht glücklich, nur zufrieden gestellt! Wer sagt, dass das besser wird wenn du reist? Immerhin, hier hast du nen geregelten Alltag, musst dich um nichts kümmern, zu viel Action ist auch nicht immer schön und überhaupt, einsam bist du jetzt ja nicht mehr, also deine akute Krise ist ja jetzt wirklich vorbei. Aber eigentlich wollte ich doch die Zeit meines Lebens haben, nicht 'durchhalten' sondern leben...
Und so ging das die letzten 2 Wochen in meinem Kopf. Kein Wunder, dass das kein Platz für anderes war. Deswegen entschuldige ich mich hier nochmal in aller Form, insbesondere bei Mama und Oma, für alle Mails die ich erstmal beiseite gelegt habe und auch dafür, dass ihr hier nichts mehr von mir gehört habt.
Ja, ihr merkts vielleicht schon, ich bin grotten grotten schlecht im Entscheidungen treffen. Da werden Berge von Gedanken hin und her gewälzt, als würde es hier um das Wohl einer gesamten Nation gehen. Dabei sinds nur 4 mickrige kleine Wochen. Und wenns darum geht Entscheidungen alleine zu treffen ist es noch schlimmer. Für gewöhnlich muss ich erstmal die Meinung der gesamten Welt, aber wenigstens die meiner vier wichtigsten Entscheidungshelfer, Olli, Papa, Mäggie und Paula, hören, bevor ich mich überhaupt zu etwas bewegen kann. Frau Doktor, wir müssen uns beeilen, der Patient verblutet, wollen wir zuerst den Arm oder das Bein amputieren? Hmmm, ja gleich, aber ich überlege noch, welcher Nagellack heute besser zu meinem Lippenstift passt, Rostrot oder Dunkelrostrot, was meinen Sie? Ach warten Sie, ich ruf am besten nochmal kurz meine Schwester an, die weiß sowas immer am besten. Und wegen dem Arm/Bein Problemchen kann ich sie dann auch noch schnell fragen, und der Patient läuft ja nicht weg hahaha. Verstehen se? Wegen dem Bein und laufen und so ne hahaha, das muss ich ihr direkt erzählen, die lacht sich tot hahaha
Jaaaa... womit wir schon beim zweiten Problemchen wären, ich neige dazu, meinen kleinen Entscheidungen immer eine sehr sehr große Bedeutung beizumessen. Die Frage ist nämlich eigentlich garnicht, ob ich hier noch 4 weitere Wochen bleibe oder ob ich fahre, die Frage ist, ob ich jemals ein selbstständiger, lebensfähiger Mensch sein kann, wenn ich es nichtmal schaffe für 4 weitere Wochen auf nem Biohof Obst zu schneiden. Auf der anderen Seite könnte das Reisen meine Risikobereitschaft trainieren, so dass ich auch mal gedanklich etwas flexibler werden würde. Ich möchte bloß nicht son Prinzipien-Guru werden.
Und bei dem ganzen Gedenke verliere ich zwei Sachen völlig aus den Augen; dass ich a) schon selbstständig bin und b), dass ich auch einfach mal Spaß haben darf. Ohne wenn und aber.
Ich habe die letzten Jahre viel geleistet, ich weiß von mir, dass ich viel leisten kann, jetzt ist mal Pause angesagt, hab ich mir doch verdient, ich werde doch noch genug zu tun haben. Aber einfach mal den Kopf auszuschalten, das fällt mir wahnsinnig schwer. Nicht nur schwer, ich kann es einfach nicht. Vielleicht sollte ich ja doch nochmal bissl Koks in Bocas besorgen?
Jedenfalls hats hier halt so in meinem Kopf hin und her rumort und ich war dadurch so blockiert, dass ich nichts von den schönen Momenten erzählen konnte, die ich hier hatte. Zum Strand reiten, Pizza essen, Kuhhandel spielen, in einer Cabana am Strand schlafen und Feuer machen, Luc ne Ukulele abkaufen, auseinander bauen, bunt anmalen, mit Nagellack (mangels anderem Lack) lackieren, wieder zusammen setzen, am Strand joggen, ein gutes Buch lesen, im Fluss baden, im Meer baden...
Und vielleicht mache ich auch einfach nochmal einen Post, nur mit Fotos.
Aber da muss ich mich dann mal ein bisschen sputen, ich fahre nämlich nächsten Montag. Jepp, das ist das Ergebnis des Brütens, ich hau ab. Ich habe mich Silke gegenüber wahnsinnig schlecht gefühlt und ich tue es immernoch ein bisschen, aber komm, so ist es jetzt halt, das hier soll meine Zeit sein, und ich weiß ja, dass ich eigentlich zu den Menschen gehöre, die sich an Absprachen halten. Und ein bisschen enttäuscht bin ich auch von mir, dass ich nicht 'durchgehalten' aber, aber abgesehen davon bin ich eigentlich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung (und wie gesagt, es geht ja diesmal nicht unbedingt ums durchhalten, es ist ja so gesehen Freizeit). Und ich habe sie auch alleine getroffen, auch wenn es mir schwer fiel und ich mit einigen Menschen gesprochen habe. Letztenendes bin aber ich die, die hier ist, das ist mein Leben und meine Erfahrungen und ich weiß eigentlich am besten, was gut für mich ist, auch wenn ich es manchmal eben dann doch nicht so weiß.


Aber mein toller Lieblings-Babschie hat mir dieses Bild hier geschickt, und damit war die Entscheidung dann gefallen, ich habe mit Silke gesprochen (hatte sie vor 2 Tagen schonmal etwas drauf vorbereitet, dass das nicht ganz so überraschen kommt) und jetzt fühle ich mich nicht euphorisch oder erleichtern oder so (naja, erleichtert vielleicht schon ein ganz kleines bisschen), aber ich freue mich auf die kommende Zeit und ein kleines aber feines Detail hat sich verändert; ich bin nicht mehr so gelähmt, sondern einfach wieder mehr wie ich: voller Tatendrang und fröhlich und motiviert eben. Nicht mehr so labberig. Ich bin jetzt halt ein fliegender Goldfisch.
Und der will jetzt noch Mails beantworten, also ist dieser Post jetzt erstmal zu Ende.
<3 Charlie