Dienstag, 20. Dezember 2016

Nobelpreisträgerin oder Filmstar?

Heute war der erste richtige Arbeitstag auf lotuyo. Wo bei man 'richtig' eigentlich in Anführungszeichen setzen muss. Gearbeitet haben Monica und ich nämlich nur eine Stunde.
Aber ich weiß ja mittlerweile, dass grade einfach Pause ist und wenn Silke wiederkommt und die Feiertage vorbei sind wird es ja wieder mehr. Würde halt nur gerne jetzt schon ganz viel machen, aber gut, so habe ich mehr Zeit für andere Sachen und versuche dafür die Aufgaben, die ich betrauen soll (und das ist vor allem der Social Media Auftritt auf Twitter) besonders gut zu erfüllen.
Jetzt aber mal zu dem, was wir heute gearbeitet haben; wir haben Zapallo-Kürbis geschnitten und zum Trocknen ausgelegt, damit man daraus Kürbismehl machen kann. Klingt simpel, ist es auch. Man braucht halt nur eine Anlage zum Trocknen und viiiiiel Sonne.
Auf lotuyo gibt es dafür eine Art großes, dreieckiges Glashaus, welches mitten im Freien steht, so dass die Sonne ungehindert darauf knallen kann und alles und jeden, der das Pech hat, sich innerhalb dieses Glashauses zu befinden, innerhalb weniger Tage zu Tode brutzelt.
Weil meine Oma Physikerin ist, und auch in mir noch unentdeckte Talente stecken, die bis jetzt nur noch nicht ausreichend gefordert wurden, als dass sie schon hätten zu Tage treten wollen, habe ich mich natürlich gleich direkt sofort gefragt, wie das mit dem Wasser geregelt wird, dass bei der ganzen Trocknerei aus den Lebensmitteln austritt.
Höret und lernet:
Die Anlage besteht aus zwei Teilen, einem verglasten Teil und einem mit Plastik überspannten Teil,die allerdings räumlich nicht voneinander getrennt sind.
Letzterer dient einzig und allein zum Aufheizen der Luft, welche mittels einen Ventilators, der wiederum durch ein Solarpanell auf dem Hausdach betrieben wird, in den zweiten Teil der Anlage bewegt wird. Dort staut sich nun die heiße Luft, was zwei super Effekte hat. 1. wird dem Kürbis noch heißer und er trocknet noch schneller aus und 2. werden durch die zirkulierende Luft die Wasertröpfchen hin und her bewegt, die schließlich entweder durch kleine Öffnungen im Hausdach, oder der vergitterten Seite entweichen können.
Zur Veranschaulichung habe ich das ganze im Folgenden nochmal bildlich dargestellt.
Mitarbeiter des Nobelpreiskomitees können mich übrigens unter folgender Rufnummer erreichen: 62724238.
Ich akzeptiere aber auch andere Preise.

Ventilator, heiße Luft, Lebensmittel, Wassertröpfchen, Sonne. Klar so weit?
Der Kürbis...
...wird geschnitten...
...gesammelt...
...und wie ein Mosaik zum Trocknen ausgelegt. Die Scheiben dürfen sich nicht berühren, damit der Kürbis auch gut von allen Seiten durch trocknet.
Auch die Kerne werden weiter verarbeitet, gewaschen...
...und getrocknet (is ja mal janz wat neues).
Und etwa so sollten die dann nach ein paar Tagen aussehen.

Jetzt mal zu etwas ganz anderem. Das Wasser ist heute noch nicht ein einziges Mal ausgefallen, jupieeee!!! Dafür geht seit 6 Uhr der Strom nicht mehr. Zum Glück, ich dachte schon ich müsste mich heute normal duschen und mir am Ende noch die Haare waschen. Wenn ihr diesen Post sehen könnt, heißt das allerdings, dass der Strom dann doch irgendwann mal wieder funktioniert haben muss. Wie es dann allerdings wieder mit dem Wasser aussieht...

Mittlerweile ist es Abends (habe den ersten Teil des Posts heute Vormittag verfasst) und ich bin voll gut gelaunt, weiß auch nicht wieso. Neben mir sitzt Randí, einer der Hunde. Ich glaube ehrlich gesagt, dass er denkt er sei eine Katze. Oder er denkt er sei ich.
Wieso? Er kommt ständig angekuschelt, streicht um deine Beine und will gestreichelt werden. Wenn du diesem Willen nicht nachkommst, rückt er immer Nähe, legt seinen Kopf auf deinen Schoß und schaut dich mit seinen süßen Hundeaugen an. Der einzige Unterschied zu der Katze ist, dass Randí stinkt. Vielleicht denkt er also wirklich er sei ich...


Mein Nachmittag war eigentlich echt schön (schon wieder so eine schlechte Überleitung, die Qualität meiner Posts scheint durch deren hohe Quantität echt gefährdet zu sein). Ich bin mit Monica runter zu dem Haus der Familie gefahren, bei der sie sechs Mal die Woche auf den kleinen Félipio aufpasst. Félipio ist echt krass. Der kleine ist zweieinhalb und spricht noch nicht so wirklich, aber kein Wunder, er wächst viereinhalb sprachig (!) auf. Eltern Italiener und ausgewandert, wohnt in Panama also Spanisch, hat in Monica eine Ersatzoma gefunden, die mit ihm Schwitzerdütsch redet und Silke und Luke sprechen mit ihm normales Deutsch. Und heute lag bei denen zu Hause noch ein Englisch sprachiges Kinderbuch, dessen Lesezeichen in der Mitte des Buches darauf schließen ließ (voll Detektiv Style und so), dass ihm seine Eltern auch noch auf Englisch vorlesen! Und das Faszinierende ist, er scheint alles zu verstehen, egal welche Sprache man mit ihm spricht. Und dazu ist er auch noch wirklich süß. Wenn ich nochmal 2,5 wäre...
Genug jetzt mit der Schwärmerei! Nicht dass ich hier noch jemand einen Grund findet eifersüchtig zu werden ;) :*
Ich war jedenfalls joggen. Oh yes, I'm so sporty und ich muss es jedem unter die Nase reiben, damit du, ja genau du da, jetzt ein ganz schlechtes Gewissen bekommst und dir denkst, boah, so wie die Charlotte, so wäre ich ja auch gerne. Nicht dass du das nicht eh schon denken solltest... ;)
Und klar, joggen finde ich total schei...schön. "Ich geh da immer total drinn auf und vergess alles um mich herum. Dann lauf ich und lauf ich und merke garnicht, dass ich schon 12 km hinter mir habe ahahahahaha (hier bitte ein affektiertes Lachen vorstellen)". Schön für dich du blöde Fantasie-Tussi, dich gibt's eh nicht, also halt die Klappe.
Jedenfalls war es heiß. Die Sonne brannte auf mich herab und brachte die Erde so zum Flimmern, dass mir während der gesamtem Zeit ca 500 m weit weg ne Fata Morgana vorgaukelte, dass das Meer sich zu einer nie erreichbaren Lagune erweiterte.
Und ich war alleine. Der gesamte f*cking Strand war menschenleer. Ich kam mir vor wie ein texanischer Bahnhofsbesitzer in der amerikanischen Prärie des 18. Jahrhunderts, der noch auf den ganz großen Durchbruch wartet...
Aber jetzt mal im Ernst. Stellt euch das mal szenisch vor. Ein langer Sandstrand in der Totalen. Leer. Hier und da ein angeschwemmter, durch den Pazifik rund gespülter Ast. Dramatische Musik. Sekündlich trifft eine Welle auf das flache Land. Und diese Welle, die seit Monaten den größten Ozean unserer Erde durchquert hat, bricht plötzlich. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Wird zu Schaum und fließt, unter der nächsten ankommenden Welle, zurück in den Ozean. Das allein ist doch schon ein kleines Wunder, findet ihr nicht?
Wo war ich? Ach ja, also dieser leere Strand ist wie gesagt sehr lehr. Nur ein Mädchen ist da. Und sie läuft. Niemand weiß wieso, niemand weiß wohin. Man sieht ihr Gesicht nicht genau (ihr wisst natürlich wer das ist, aber das ist Insider Wissen und mit dem dem Nutzen dieser Website seid ihr vertraglich zu Stillschweigen verpflichtet), aber mit jedem Schritt ihres athletischen attraktiven Körpers...ok lassen wir das. Ich hab selbst keinen Bock mehr auf mein Gesülze wegen zwei Minuten Sport.

Aber bei diesen Bildern bekommt man doch einfach Lust mitzumachen...
Ok ich hör jetzt auf. Wirklich!

Ich erzähl euch lieber von den echten Cowboys, die ich heute gesehen habe. Ok da gibt's jetzt auch nicht sooo viel zu erzählen. Wir saßen halt im Auto und dann waren da so Kühe auf der Straße und zwei Cowboys haben so ne andre Kuh mitm Lasso gefangen. Ende

Ja und sonst? Nachm joggen hatte ich noch einen entspannten Nachmittag mit Monica und Félipio im ultra klimatisierten Haus, das war wirklich sehr entspannt, und ich habe Monica besser kennen gelernt. Und dann habe ich noch einen riesigen blauen Schmetterling gesehen, so einen wie Oma Berthild bei sich zu Hause aufgespießt an der Küchenwand zu hängen hat, nur eben nicht aufgespießt. Jetzt sitze ich hier, das Gesicht glänzend vom Mückenspray, und schreibe, während ab und zu ein Glühwürmchen durch den Garten schwebt (Glühwürmchen sind by the way schon ziemlich cool finde ich. Sollte man in Deutschland auch mal einführen).

Diese geschmackvolle Disko Kugel Weihanchtsdeko schmückt jetzt übrigens unser Haus.

Aber weil es schon spät ist, ich morgen nach David fahre und ich meine tägliche Lektion Spanisch noch nicht gelernt habe, ist dieser Post jetzt am Ende angelangt.

Ich möchte an dieser Stelle nur nochmal zwei Dinge ansprechen, die mir beide aus unterschiedlichen Gründen wichtig sind.

1. Danke für die 30 Zugriffe auf meinen Blog innerhalb der letzten 24 Stunden. 30 klingt zwar nicht sehr viel und es gibt Menschen, die, mit dem was sie Schreiben, Hunderttausende erreichen, aber das ist ja garnicht mein Ziel. Ich freue mich einfach nur, dass es anscheinend doch so viele Menschen gibt die interessiert, was ich hier eigentlich mache, dass es ganz schön teuer wäre euch alle zum Essen einzuladen (sogar für panamische Verhältnisse).
2. Habe ich vor ca. drei Stunden erfahren, dass es in meiner Heimatstadt Berlin wohl einen Terroranschlag gegeben hat. Früher oder später würde das passieren, das wussten wir alle, aber ich bin selber erstaunt darüber gewesen, dass mich das letztendlich doch etwas mitgenommen hat, gerade weil ich im Moment so weit weg von all jenen bin, die ich liebe. Ich will jetzt hier keine großen Reden schwingen von wegen man soll jetzt an die Familien der Opfer denken etc.. Ich hoffe nur, dass es euch allen gut geht. Dass ich bis jetzt noch nichts von niemanden, weder Freunden noch Familie, gehört habe, ist wohl ein gutes Zeichen. Falls es aber doch irgendwas gibt, sowohl positiv als auch negativ, bin ich per Mail charlotte.reinicke@gmail.com oder per Skype (gebt einfach meine Mailadresse ein), sowie über whatsapp unter meiner deutschen Nummer und über SMS und Telefon unter meiner panamaischen Nummer (siehe oben Stichwort Nobelpreis, Vorwahl +507 nicht vergessen) gut zu erreichen.

Ich habe euch lieb und denke ganz doll an euch!
❤Charlie


Sonntag, 18. Dezember 2016

Neue Klogeschichten und die Sache mit Weihnachten

Hechel!
Ich liege auf meinem Bett, alle Glieder so weit es geht von mir gestreckt, und stelle mir vor ich sei ein Seestern. Ein kleiner, schwitzender, Musik hörender Seestern auf dem Grund des Pazifik. In der Stadt war es nicht so heiß wie hier. Morgens isses ok, aber ab 11:30 geht die Grillerei los. Wieso bitte hat der liebe Gott diesen Ort so heiß gemacht?! Niemand mag gegrillte Seesterne!


Ich wollte heute wie gestern Versprochen etwas mehr ins Detail gehen, euch mehr von dem kleinen Häuschen zeigen in dem ich wohne und von Weihnachten reden.
Aber zunächst einmal eine gute Nachricht und weniger gute Nachricht, ich konnte gestern noch aufs Klo gehen, das Wasser ging wieder, jupieeee!!! Die weniger gute Nachricht, als ich spülen wollte ging es nicht mehr. Tja...war das peinlich? Oh ja, das war es. Aber gut, ich weiß jetzt, wie man das Klo austricksen kann. Man nehme einfach einen großen Eimer Wasser aus einer der Regentonnen hinterm Haus (ich glaube dass es Regentonnen sind. Es regenet zwar grade nicht - Trockenzeit - aber es sind offene Tonnen mit Wasser) und gießt das ganze ganz ganz schnell ins Klo. Und dann hofft man, dass nichts überläuft. Glück gehabt!
Grad keine Regentonne zur Hand? Keine Sorge, man kann wahlweise auch Milch, O-Saft oder Cola nehmen. Bestimmt. Bei folgendem Problem ginge das theoretisch auch, klebt halt nur bisschen: duschen!
Kein Wasser=keine Dusche. Logisch nä? Aber wer braucht bei 30 Grad im Schatten denn schon duschen, man schwitzt ja eh schon so so viel, dass man klatschnass ist. Sollte man dann doch mal das Bedürfniss nach einer anderen Flüssigkeit als Schweiß auf seinem Astralleib verspüren, kann man das ganz einfach machen, indem man eine Schüssel mit Regenwasser aus besagten Tonnen befüllt, sich in die Dusche kauert und dann immer gib ihm. Bis die 2 Liter aus der Schüssel halt leer sind. Reicht zwar nicht mehr wirklich für die Haare, aber ich habe mein Shampoo eh vergessen und der Wet-look soll ja sowieso in sein.
Es folgen einige Fotos des Hauses.

Man beachte den Schlitz zwischen Wellblechdach und Wand
 
Die Terasse draußen ist eigentlich ein ausgelagertes Zimmer
  
Hier entsteht Chelys leckeres Essen
Meine geliebten Regentonnen...
...und das Bad
So jetzt aber zu Weihnachten. Ich möchte ehrlich sein, mir gings in den letzten Tagen nicht immer sooo gut, ich hatte etwas mit Heimweh zu kämpfen, was einerseits an der leichten Trostlosigkeit liegt, die hier tagsüber herrscht und zum anderen, und das ist der Hauptgrund, weil ich Angst hatte an Weihnachten und Neujahr alleine zu sein. Monica ist über Weihnachten und Neujahr bei einer Freundin und hat mir angeboten mitzukommen. Das ist zwar lieb gemeint, aber ich hätte mich komisch dabei gefühlt, zumal ihre Freundin extra aus der Schweiz hergeflogen kommt. Mit dem Gedanken hier im Dorf zu feiern konnte ich mich auch nicht so richtig anfreunden. Die Menschen bei denen ich lebe sind zwar unglaublich nett, aber ich fühle mich trotzdem noch etwas fremd, klar, ich bin ja erst seit 3 Tagen hier.
Letztendlich habe ich mich jetzt, nach einem sehr sehr hilfreichen und guten Gespräch mit meiner lieben Verwandtschaft, dafür entschieden mir selbst zu Weihnachten eine Freude zu machen und mir eine Reise nach las bocas del toro zu schenken. Von 22. bis zum 28. werde ich jetzt in der Karibik sein, in dem selben Hostel wie Vanessa. Zusammen mit anderen Travellern, von denen die meisten alleine unterwegs sind, wird das bestimmt lustig. Über Neujahr werde ich wahrscheinlich nicht bleiben können, las bocas ist da komplett ausgebucht weil ganz Südamerika zum Feiern dahin möchte (und das ist nicht übertrieben, sogar meine beste Freundin Paula, die sich derzeit am Ende des Kontinents in Feuerland befindet, hat schon von der Neujahrsfiesta auf las bocas gehört). Aber das ist auch nicht so schlimm, zum Neujahr soll hier am Strand auch ziemlich was los sein und ich habe die Erfahrung gemacht, dass Dorfparties die besten (und häufig am unterschätztesten) Parties sind.
Und außerdem reichen zwei Tage Selbstmitleid jetzt auch. Hallo??? Ich bin schließlich in Panama!!! Und außerdem hat man immer die Wahl. Wenn ich will, dass das eine unvergessliche und schöne Zeit wird, dann wird es das auch. Und gegen die Langeweile, die ab Januar wenn Silke wieder da ist und die Arbeit richtig los geht, hoffentlich auch weniger wird, such ich mir einfach ein neues Hobby. Ich bin schon fleißig am Spanisch lernen (ich kann mir nur nicht diese blöden Vokabeln merken, entweder ich werde alt oder ich muss mich mal richtig ransetzten und pauken), das Känguru Manifest hören (wirklich, ich bin eigentlich nicht der Mensch, der Hörbücher hört, aber das ist so lustig) und in England habe ich ja auch viel gemalt, vielleicht kann ich das ja fortsetzen.
Hauptsache man hängt nicht zu viel am Handy (Blog schreiben und Spanisch lernen ist ne Ausnahme)!

Immer mit dabei,mein Buch für alles!
Achso und jetzt wo ich zum Schluss komme, ich habe heute mit Papa und Olli geskypet und die haben mir erzählt, dass mein Blog wohl ganz gut ankommt. Das hat mich wahnsinnig gefreut, ich schreibe im Moment sehr gerne und dass das so gut anzukommen scheint und das tatsächlich gelesen wird, ist natürlich das größte Kompliment, was ich bekommen kann. Also ein ganz ganz großes DANKESCHÖN dafür.
Und falls ihr auch mal mit mir skypen wollt, mit Olli und Papa hat das wirklich richtig super geklappt, dann fügt mich einfach auf Skype hinzu. Meine E-mail Adresse ist charlotte.reinicke@gmail.com .
Vielleicht bis bald!
❤ Charlie

Samstag, 17. Dezember 2016

Wasser weg, Strom weg, ich da

Ich muss kacken. Leider geht das Klo nicht. Es gibt kein Wasser. Willkommen im Schwellenland Panama.
Vorgestern bin ich in Las Lajas angekommen. Entgegen meiner Befürchtungen war die Busfahrt sehr entspannt, es gab sogar eine Klimaanlage, die nach einer Stunde dann auch anfing zu funktionieren.

Autobahn Raststätte

Als ich an der Straßenkreuzung - 'Autobahn' (nach panamaischen Verständnis) kreuzt andere Straße - ausstieg, waren 100 Augenpaare auf mich gerichtet. So und noch schlimmer muss sich Justin Bieber fühlen. Ich habs halt jetzt schon satt, überall wo ich hingehe werde ich angestarrt (das geht ja noch), angelabert (das rufen und Pfeifen nervt, aber das kann man ignorieren) oder angehupt (das nervt bei meiner Schreckhaftigkeit am meisten). Am Anfang war das ja noch ganz nett, aber bitte, irgendwann reichts ja dann auchmal.
Von der Straßenkreuzung wurde ich von Monica abgeholt. Sie arbeitet auch auf lo tuyo und ist bis Januar, bis Silke aus Deutschland zurück ist, für mich zuständig. Sie hat mich zu Chely gebracht, bei der ich während meiner Zeit hier wohnen werde. Chely ist super nett. Mit ihr wohnen hier noch ihr Bruder und eine  andere Frau mit ihrem 18-jährigen Sohn. Und ein 19 jähriges Mädel in Indianer Tracht hängt hier auch immer irgendwie ab.Außerdem gibt es noch zwei Hunde, zwei Katzen und Hühner.



Gestern hat mir Monica dann lo Tuyo gezeigt. Jetzt wo Silke nicht da ist, gibt es wohl nicht so viel zu tun und sie arbeitet nur am Vormitag (ich daher auch, werde mich allerdings nebenher mal um den Twitter Account kümmern).
Zu lo tuyo werde ich wahrscheinlich nochmal einen Extra Post machen, wenn ich etwas mehr da war. Jetzt am Wochenende habe ich ja frei und gaaaaaaaaaaaaanz viel Zeit. Hier in las Lajas ist man nämlich wirklich weg. Aber immerhin, es gibt WLAN. Zumindest wenn der Strom so wie gestern nicht ausfällt.
Das Leben hier ist schon sehr anders. Erstmal wegen des anderen Klimas (heute lag ich einfach nur ne Stunde aufm Bett, habe geschwitzt und meinem Herz zugehört, was verzweifelt versucht hat mein dickflüssiges Blut durch meinen Körper zu pumpen. Ich möchte nicht wissen wie hoch mein Blutdruck lag). Dann natürlich wegen der anderen Flora und Fauna. Überall stehen Palmen rum und am Straßenrand verrotten die Kokosnüsse wie Kastanien in Deutschland. Mein Olli-bebi wäre empört beim Anblick dieser Verschwendung. Und Bananen gibt es hier auch überall, genauso wie Kolibris, von denen ich heute schon zwei gesehen habe und deren Flügel wirklich sehr sehr schnell flattern.



Die Häuser hier haben in der Regel keine Fenster sondern eher Glaslamellen oder so gemusterte Löcher. Letztere werfen abends beim Einschlafen schöne Muster auf mein Moskitonetz und erinnern ein bisschen an 1001 Nacht.
Und das Haus besitzt zwar Zimmer, aber das Dach ist nur so raufgelegt, so dass oben an den Wänden überall eine kleine Lücke von ca 10 cm ist, so dass man auch das kleinste Geräusch im gesamten Häuschen hört.
Außerdem gibt es hier zusätzlich zu Autos und Fahrrädern auch Pferde, die selbstverständlich als Transportmittel genutzt werden. Mal gucken, vielleicht kann ich mein Fahrrad ja noch eintauschen;)


Achso gestern war ich übrigens auch das erste mal am Pazifik und habe mich da schon etwas einsam gefühlt. Ich war alleine und weder links den Strand lang, noch rechts, war eine Menschenseele. Immerhin ein paar Krebse haben mir Gesellschaft leisten wollen. Und um mich vor denen direkt mal als Deutsche zu outen und sie mit guten Deutschen Gewohnheiten bekannt zu machen, habe ich erstmal...falsch, nicht FKK baden gemacht, ich bin ja nicht Papa (ja babschie ich hab dich auch ganz dolle lieb), sondern...richtig, Muscheln gesammelt.









Ich möchte diesen Post etwas kürzer halten und ein andermal etwas mehr in die Details gehen und insbesondere nochmal auf meine Pläne (und ein klitzekleines Bisschen auf die Sorgen) bezüglich Weihnachten eingehen, deswegen höre ich jetzt schon auf. Bis dahin wünsche ich euch noch eine schöne Vorweihnachtszeit, ich bleibe neben dem Ventilator sitzen und beweg mich heute nicht mehr.
Hab euch liiiieb ❤Charlie

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Euch ist bekannt, was wir bedürfen, wir wollen starke Getränke schlürfen. - J.W.v.Goethe

Auch mein zweiter Tag in Panama war ziemlich lustig. Mit Patrick, einem deutschen Ingenieurs-Studenten aus Stuttgart, der keine Lust auf das Schreiben seiner Masterarbeit hatte, und Vanessa, bin ich durchs Casco Viejo geschlendert.




Was ich in Panama sehr faszinierend finde, ist, wie nah arm und reich nebeneinander existiert. Das spiegelt sich sehr gut in der Bebauung der Stadt wieder. Einerseits hat man die - für mich als Europäerin, die das sonst nicht so kennt - sehr beeindruckende Skyline mit riesigen Hochhäusern, andererseits findet man sich in der Stadt an manchen Stellen wieder und denkt sich wo bin ich denn bitte hier gelandet.


Dazu kommt die ständige Polizeipräsenz auf den Straßen, die ich zwar als sehr sinnvoll erachte (sonst würden sich die Autos ja noch mehr ineinander verkeilen), die aber andererseits auch etwas befremdlich ist, da die Polizisten hier auch nicht die kleinsten Waffen tragen und teilweise noch sehr jung aussehen.


So viel dazu. Ich habe jedenfalls meine Armbänder Sammlung etwas aufstocken können, da habe ich mich sehr drüber gefreut. Wenn ihr euch jetzt fragt was das eine mit dem anderen zu tun hat, garnichts, aber mir ist keine gute Überleitung eingefallen.


Gegen 13.00 haben wir dann in einem totalen local Restaurant gegessen, wir waren wahrscheinlich die ersten Touris, die sich da jemals rein verirrt haben, sonst war es voll mit Polizisten. Das Essen war super und ich weiß jetzt was 'ich habe Hunger' auf Spanisch bedeutet und es klingt echt schön: tengo hambre.
Anschließend gingst dann erst richtig los. Patrick und Vanessa hatten sich zum Ziel gesetzt unbedingt Margueritas trinken zu gehen und meine Aussage, dass man Pizza doch nicht trinken könne, hatte sie in ihrem Plan noch bestärkt (kurze Info für alle die wie ich auch zu den Unwissenden gehören: Margueritas sind Cocktails; Tequila, Eis und ein bisschen Salz glaube ich). Ja und von da an hatten wir unseren Spaß :D



Ich will das hier jetzt nicht mehr als nötig breit treten, aber ich sags mal so, wir kennen jetzt einige panamaische Biersorten, wurden von Saúl, einem netten Straßenverkäufer, der sein Geld mit dem Verkauf von höchstwahrscheinlich gefälschten Markenparfums verdient, auf ein Bier eingeladen, und sind - nachdem wir auf dem Fischmarkt mehr oder weniger frische Fischfilets gekauft hatten - noch lateinamerikanischen Rum fürs Abendessen besorgen gegangen.


Und das Abendessen liebe Leute, kann ich euch sagen, war der Hammer!!! Vanessa hat fast alleine gekocht (wir haben dafür abgewaschen, ja auch ich, Papa, Olli, ihr braucht jetzt garnicht so verwundert zu tun), aber was die aus den wenigen Zutaten gezaubert hat, mein lieber Scholli. Reis mit frischen (Achtung fraglich) Fisch (der einen komischen Nachgeschmack hatte aber uns geht's allen noch gut) Knoblauch angebraten mit einem Avocado, Gurken, Frühlingszwiebelsalat. Vanessa, auch wenn du das hier nie lesen wirst, du kochst echt richtig gut!


Den Rum haben wir mit einigen Australiern geteilt (ich habe eh nur mal kurz probiert, aber mir war der zu scharf) mit denen wir dann im Anschluss noch in ne Bar gegangen sind. Und ja, was soll man sagen, also das Red Lion hat zwei sehr sehr imposante Argumente, wieso man unbedingt dort zu viel Geld für sein Bier lassen sollte. Und jeder Volldepp hätte es spätestens ab dem Zeitpunkt kapiert, als die sehr sehr junge, sehr sehr attraktive und sehr sehr knapp bekleidete Kellnerin einen freihändigen Blowjob (!) am Shotglass (!!) eines nicht mehr ganz so jungen und nicht mehr ganz so attraktiven Gastes demonstrierte.
Wir saßen alle nur daneben und haben die mit offenen Mund angeglotzt. Danach ging wieder zurück ins Hostel (Happy Hour), aber ich habe mich schon ziemlich früh ausgeklingt, weil ich einfach nur noch müde war (immer noch ein bissl gejetlaged).
Jetzt nur nochmal kurz ne kleine Sache am Rande für alle Menschen da draußen, die wie ich etwas Probleme wegen sehr empfindlicher sehr trockener und gleichzeitig fettiger Haut haben, 36 Stunden Tropenluft und das ist alles passé. Keine Pickel, keine trockenen Stellen, nichtmal mehr kleine schwarze Mitesser Pünktchen auf der Nase. Alles weg! Ich liebe Panama!